Während der Entwicklung des neuen und weltweit ersten 4-Klingen Rasierers beauftragte uns Wilkinson Sword einen Industriefilm zu erstellen, um das neue Produkt intern
und dem Handel präsentieren zu können. Ziel war eine ca. 5 Minuten lange Animation, die den Betrachter emotional packt und ihm eindrucksvoll die neuen Features
des Apparates erklärt.
Das Konzept
Da in diesem frühen Stadium Werbekonzepte für die spätere Vermarktung noch nicht existierten, ließ uns Wilkinson völlig freie Hand - und 6 Monate
Zeit - eine eigene Welt für das neue Produkt zu entwickeln, dessen Entwicklung zu diesem Zeitpunkt noch in vollem Gange war.
So erschufen wir eine Unterwasserwelt mit geheimen Laboratorien, in denen der Rasierer zusammengesetzt wurde. Das Wort "geheim" hatte während des gesamten Projektes
ohnehin eine besondere Bedeutung für uns, denn es durften während der Produktion keine Informationen nach außen dringen, weder die Tatsache, dass es sich um
ein 4-Klingen-Rasierer handelt, noch, dass der Name des neuen Produktes "QUATTRO" sein wird. Wir griffen daher bei externen Mitarbeitern nur auf Leute zurück, die
bereits durch vorherige Projekte unser Vertrauen hatten.
Entwicklung einer Idee
Der erste Schritt war die Entwicklung einer Idee. Wir machten uns zunächst frei von allen Gedanken, ob eine Idee umsetzbar sei, oder nicht. Schließlich entstand eine
Geschichte, die fast überall mit Wasser zu tun hatte. Um die Ideen für die futuristischen Unterwasserwelten zu bekommen, die Roboter und das ganze Interieur,
wälzten wir viele Science Fiction Bücher - insbesondere die Designstudien der StarWars Reihe - und schauten uns außerdem viele DVDs an, die mit Science Fiction
und Wasser im Allgemeinen zu tun hatten. „Der Sturm“ lieferte uns z.B. sehr gute Vorlagen für eine realistische stürmische See.
3D-Modelling
Parallel dazu modellierte Frank bereits die Klinge und den Apparat in 3D. Da wir aber schon während der Entwicklung des Rasierers (im real Life) mit der Produktion der
3D-Animation beginnen mussten, kam es, dass sich das Design des Apparates komplett änderte. Dies verursachte bei uns einigen Stress. Frank hatte damit zu tun, die
Änderungen, die aus den Wilkinson-Laboratorien kamen in den 3D-Modellen umzusetzen und Imke musste diese dann in die jeweiligen Szenen einsetzen.
Die Zeiten, die die Computer für die Berechnung einer solchen Animation benötigen, sind beachtlich. So mussten wir schließlich noch eine weitere halbe Etage
anmieten, die mit vernetzten Computern voll gestellt wurden und die Tag und Nacht an der Animation rechneten – wir hatten schließlich eine feste Deadline –
würde die überschritten werden, wäre die Animation nichts mehr Wert.
Kamera und Licht
Eine Schwierige Aufgabe war die Handhabung von Kamera und Licht. Obwohl sich alles virtuell im Computer abspielt, sind die Regeln und Schwierigkeiten dort (fast) die gleichen.
Also ausgebildeter Fotograf habe ich dafür allerdings ein Auge, so dass schöne Lichtstimmungen und ein spannender Kameraschnitte entstanden.
In der Animation wurde mit Schärfe und Unschärfe gespielt, um den Blick des Betrachters genau dahin zu lenken, wo er hin soll. Durch den starken Einsatz der
Tiefen(un)schärfe wurde außerdem der räumliche Eindruck der Szenen wesentlich verbessert.
Die Perspektiven sind meist sehr extrem gewählt und oft von unten, denn die dargestellten Objekte sollten riesig wirken. Da mit extremen Nahansichten gearbeitet wurde,
musste sehr genau modelliert werden. Alle Details, also jede Kante und auch die kleinste Gumminoppe wurden komplett ausmodelliert und abgerundet.
Nachbearbeitung
Um den Realismus zu steigern und den typischen Computer-Look, der vielen 3DAnimationen anhaftet zu vermeiden, fügten wir dem Film bewusst einige Fehler hinzu. So haben wir
bewusst einige Spitzlichter ausfressen lassen, ein Effekt, der im Video-Bereich als Blooming bezeichnet wird. Des Weiteren haben wir die Kamera an manchen Stellen
„verwackelt“ und Lampen den Betrachter blenden lassen.
Musik und Sound
Wichtig für die emotionale Wirkung sind natürlich Sound- und Musikdesign. Wir haben für die Animation fünf Musikstücke komponieren lassen. Vier davon
kamen in der Animation zum Einsatz, dass fünfte Stück war alleine für den Abspann bestimmt.
Das Ergebnis
So kam es schließlich bei der Start-Konferenz des neuen Wilkinson-Produkts, bei der einige hundert Leute anwesend waren, nach der Vorführung des Films zu langen
Standing-Ovations und Tränen, die vor Rührung einigen Marketing-Managern die Wangen herunter liefen...